Warum viele Onlinekurse nicht funktionieren (und es nicht deine Schuld ist)
Liebe Leserin,
ich bin gerade richtig wüten!! Ich komme gerade aus einer kostenlosen Masterclass zum Thema „Wie man bei Instagram richtig postet“. Die Masterclass hat natürlich das Ziel, einen Kurs zu verkaufen, in dem man lernt, wie man bei Instagram richtig postet.
Die Einstiegsfrage der Kursleiterin lautete sinngemäß: „Was hält dich davon ab, bei Instagram regelmäßig zu posten?“ Eine Teilnehmerin schrieb in den Chat: „Faulheit, innerer Schweinehund.“
Die Antwort der Kursleiterin: „Das ist eine Ausrede, kein Grund. Das lasse ich nicht gelten.“
Und genau in diesem Moment hatte ich den Impuls, den Call zu verlassen. Nicht, weil ich zickig bin – sondern weil dieser Satz exemplarisch zeigt, warum so viele Onlinekurse in der Praxis nicht funktionieren, selbst wenn die Inhalte fachlich gut sind.
Der innere Schweinehund ist selten Faulheit – sondern ein Schutzmechanismus
Der innere Schweinehund ist in vielen Fällen keine Ausrede, sondern ein Signal des Nervensystems: Es fühlt sich nicht sicher an.
Wenn dein System innerlich auf Alarm steht, wird es dich zuverlässig davon abhalten, sichtbar zu werden – egal, wie logisch, sinnvoll oder „einfach“ die nächsten Schritte im Kurs erscheinen. Dann wird Aufschieben zur unbewussten Strategie, um dich vor gefühlter Überforderung, Bewertung oder Kontrollverlust zu schützen.
Das bedeutet: Du bist nicht undiszipliniert. Du bist nicht faul. Du reagierst menschlich.
Und genau deshalb helfen dir viele Onlinekursen nicht dabei, dein Ziel zu erreichen – nicht weil du zu wenig willst, sondern weil sie den entscheidenden Teil (Sicherheit im Nervensystem) nicht berücksichtigen.
Wenn du schon mehrere Kurse gekauft und in den Sand gesetzt hast
Ich weiß leider sehr genau, wovon ich spreche. Ich möchte gar nicht ausrechnen, wie viele tausend Euro ich in den letzten Jahren in Onlinekurse investiert habe, die mir unterm Strich wenig gebracht haben. Ich hätte mir davon vermutlich ein hübsches Auto kaufen können (ich mache mir zwar nicht viel aus Autos, aber du verstehst, was ich meine).
Vielleicht kennst du das auch: Du buchst einen Kurs hoffnungsvoll, weil du wirklich daran glaubst, dass du damit endlich das große Thema in den Griff bekommst, an dem du schon so lange knabberst. Und dann merkst du nach den ersten Modulen oder Calls: Das ist nicht das, was du brauchst. Oder du schaffst es nicht, die Inhalte in deinen Alltag und dein Business zu integrieren.
Was dann oft folgt, ist Frust. Und leider auch Scham. Dabei liegt der Fehler sehr häufig nicht bei dir, sondern in der Art, wie der Kurs konzipiert ist. Und der Unwissenheit der Kursanbieterinnen, welche (sehr große) Rolle das Nervensystem beim Aufbau deines Business spielt.
Laute Erfolgsstories übertönen die gescheiterte Mehrheit
Mein Gefühl sagt mir, dass in vielen Programmen bis zu 80 % der Teilnehmerinnen aus verschiedensten Gründen an der Umsetzung scheitern. Aber diese (gefühlte) Mehrheit wird in der Außendarstellung kaum sichtbar.
Stattdessen werfen die Kursanbieterinnen mit den Testimonials der wenigen um sich, bei denen es „durch die Decke ging“. Das kann natürlich stimmen – sagt aber wenig darüber aus, wie tragfähig der Ansatz für unterschiedliche Ausgangslagen, Persönlichkeiten und Geschäftsmodelle ist.
Viele enttäuschte Kundinnen schweigen, weil sie sich schämen oder sich selbst die Schuld geben. Manche finden später auf Bewertungsplattformen wie Trustpilot Worte dafür. Dort liest man immer wieder ähnliche Muster: Versprechen aus der Launchphase werden nicht eingelöst, Zweifel werden nicht ernst genommen, Einwände werden abgebügelt oder ignoriert und Geld gibt es erst recht nicht zurück.
Das „One size fits all“-Prinzip: Warum Copy & Paste-Strategien selten funktionieren
In vielen Kursen gilt unausgesprochen diese Regel: „Mach es exakt so wie ich – sonst kannst du keinen Erfolg haben.“ Das klingt zunächst plausibel, denn wenn es bei der Kursanbieterin nachweislich funktioniert hat, warum sollte es bei mir dann nicht funktionieren?
Bei näherem Hinsehen ist aber genau dieser Ansatz problematisch, denn:
1) Kein Business gleicht dem anderen.
In den meisten Kursen lernst du nicht, wie du Prinzipien auf dein Geschäftsmodell überträgst. Du sollst ein Vorgehen kopieren, das für jemand anderen funktioniert hat – mit anderer Persönlichkeit, anderer Lebensrealität, anderer Zielgruppe und oft auch anderer finanzieller Ausgangslage.
2) Kursanbieterinnen sind mental und finanziell viele Schritte voraus.
Sie versprechen dir fünfstellige Umsätze, weil sie diese Zahlen selbst erreichen und ihr Nervensystem es locker verkraften kann, wenn ein paar zehntausend Euro auf ihr Konto fließen. Wie aber würde dein Nervensystem reagieren, wenn du bei 100 Followern stehst und plötzlich deine Reichweite explodiert? Wenn du kaum Website-Besucher hast und dein Buchungskalender plötzlich aus allen Nähten platzt? Ja, es ist eine Traumvorstellung, dem deutschen Winter zu entfliehen und Cocktails schlürfens auf Bali zu beobachten, wie die Buchungen hereinprasseln und dich über Nacht reich machen. Deinem Nervensystem jedoch jagt das so viel Angst ein, dass es dicht macht und dich mit inneren Blockaden zuverlässig davon abhält, die notwendigen Schritte umzusetzen.
3) Sichtbarkeit ist für viele Frauen kein „Marketing-Hack“, sondern ein echter Entwicklungsschritt.
Vielleicht bist du keine Rampensau. Vielleicht möchtest du nicht ständig vor der Kamera sprechen, Selfie-Reels posten oder groß im Headerbereich deiner Website zu sehen sein. Viele Programme ignorieren das und empfehlen genau das Gegenteil: Strategien, die sehr viel Mut zur Sichtbarkeit erfordern. Wirklich begleiten tun sie die Umsetzung dieses Schrittes, der oft als unüberwindbare Hürde empfunden wird, aber nicht.
Was ein nervensystemfreundlicher Kurs leisten müsste
In meinen Augen braucht ein Kurs, der für eine breite Zielgruppe funktioniert, drei zentrale Elemente:
- Sicherheit im Nervensystem (statt Beschämung und „Faulheit lasse ich nicht gelten“)
- Eine individuelle Strategie, die zu dir, deinem Business und deinem Tempo passt.
- Konkrete Umsetzungs-Unterstützung, die dich wirklich handlungsfähig macht.
Leider ignorieren die meisten Kurse die Punkte 1 & 2 oder streifen sie nur ganz flüchtig. Dabei können Sichtbarkeits- und Erfolgsblockaden nicht mal eben im Vorbeigehen gelöst werden. Eine ganzheitliche Business-Strategie, die sich wirklich stimmig anfühlt, schüttelt man sich in einem Standard-Modul, das für alle gleich ist, nicht eben mal aus dem Ärmel.
Wenn das Marketing unwiderstehlich ist, aber der Kurs nicht liefert
Viele Anbieterinnen sind extrem gut darin, deine tiefsten Wünsche, Sehnsüchte und Ängste zu erraten und dich an deinem wundesten Punkt zu treffen. Dazu beschäftigen sie eine Armada von hochbezahlten Copywritern, die nichts anderes machen, als die Bedürfnisse von Zielgruppen zu recherchieren und hochemotionale Texte zu schreiben.
In der Launchphase wird das Angebot dann als die Abkürzung präsentiert, auf die du schon so lange gewartet hast. Der ersehnte Traumzustand rückt in greifbare Nähe, wenn du den Kurs buchst. Und dass du nach 2–4 Monaten Kursteilnahme ein neuer Mensch bist, der genau dieses Leben lebt („und es mit Leichtigkeit erreicht“). Dazu wird oft eine ehemalige Teilnehmerin vorgeführt, die genau diese Transformation geschafft hat und nun von der Hängematte aus ihr Imperium steuert.
Das alles klingt so glaubwürdig und plausibel, dass du gar nicht anders kannst, als den Kurs zu buchen. Bis du nach den ersten Modulen oder Gruppencalls feststellst, dass dich der Kurs (wieder einmal) nicht weiterbringt und eigentlich für die Tonne ist.
(Obwohl ich diese Mechanismen durchschaue, bin auch ich nicht immer immun dagegen. Und genau deshalb saß ich heute Morgen in dieser Masterclass.)
Unklare Kursinhalte und vage Beschreibungen
Was ich persönlich besonders kritisch finde: Bei vielen Coachings und Onlinekursen wird nicht einmal sauber aufgeschlüsselt, welche Leistungen konkret erbracht werden.
Man scrollt durch endlose Landingpages, in denen der Traumzustand in epischer Breite besungen wird, während die Anzahl der Module, Videos, Worksheets oder Calls im Dunklen bleibt („Wer ein echtes Erfolgs-Mindset hat, fragt nicht nach solchen Details“). Trotzdem sind wir dazu bereit, mehrere tausend Euro in solch vage Versprechungen zu investieren. Ohne dass wir je ein persönliches Wort mit der Anbieterin gewechselt hätten.
Und die Krönung des Ganzen ist, dass diese Anbieterinnen häufig in Offshore-Paradiesen sitzen, wo Rückerstattungen kaum durchsetzbar sind. Das kann im Ernstfall bedeuten, dass du dich nicht nur enttäuscht fühlst, sondern auch machtlos und ausgenutzt.
Meine absurdeste Masterclass-Erfahrung – und was sie über Verkaufspsychologie aussagt
Einmal war ich in einer Masterclass, wo es zum Kursinhalt im Grunde nur hieß: „Freitags gibt es einen Call.“ Mehr Details gab es nicht. Und noch viel besser: es hieß, die Teilnehmer würden in diesen Calls allein durch die magische Energie der Anbieterin transformiert werden. Ich habe es so verstanden, dass in diesem Call nicht einmal gesprochen wird. Man hört der Meisterin einfach dabei zu, wie sie nichts sagt – und wird ganz nebenbei transformiert).
Die Story dahinter war maximal emotionalisiert: alleinerziehende Mutter, schwere Vergangenheit, großer Durchbruch, „goldener Schlüssel“ zu Erfolg und schließlich finanzielle Freiheit.
Nun also wird das große Geheimnis dieses Erfolgs weitergegeben. Und wer will nicht reich, glücklich und unabhängig werden, ohne einen Finger dafür krumm machen zu müssen?
Ich muss zugeben: ein geniales Geschäftsmodell und eine geniale Verkaufsstrategie. Wer das schafft, darf es sich zurecht mit seinen Millionen in Dubai bequem machen.
Allerdings wird hier keine konkrete Methode verkauft, sondern mit den Hoffnungen der Menschen gespielt. Und wer gibt danach schon offen zu, dass er 3.000 Euro für heiße Luft ausgegeben hat?
Zugegeben, dieses Beispiel ist extrem. Aber es ist wahr. Und es zeigt, wie absurd und unsolidarisch die Marketingwelt da draußen sein kann. In diesem Zusammenhang auch noch von Women Empowerment zu sprechen setzt dem Ganzen die Krone des Zynismus auf.
Fazit: im Jahr 2026 werden die Themen Nervensystem, Bindungstrauma und Sichtbarkeitsängste im Marketing noch immer weitesgehend ignoriert.
Meiner Meinung nach erreichen die allermeisten Kurse ihr Ziel nicht, weil sie das Nervensystem der Teilnehmerinnen nicht stärken, sondern ihre Ängsten und Blockaden ignorieren und somit verhindern, dass sie in die Kursinhalte erfolgreich umsetzen.
Dabei ist das, was viele Gründerinnen wirklich brauchen, Klarheit, Substanz sowie eine individuelle Strategie, die zum eigenen Leben und zum Business passt. Nebst einer Begleitung, die nicht beschämt, sondern stärkt.
Wenn du bis hierher gelesen hast, dann ist dir das vielleicht auch schon passiert. Noch einmal: Es ist nicht deine Schuld. Du bist weder dumm noch faul. Du reagierst einfach auf ein System, das zwar Wünsche und Träume verkauft, dir aber nicht den nervensystemfreundlichen Weg dorthin zeigt.
Mein Angebot für dich
Wenn du genau das finden möchtest, nämlich einen nervensystemfreundlichen Weg zu deinen Businesszielen und eine individuelle Begleitung, die dir bei der Umsetzung hilft, dann melde dich gerne auf ein Gespräch bei mir. Gemeinsam reflektieren wir, wo du gerade stehst und was du jetzt brauchst, um die nächsten Schritte gehen zu können.
Erkennst du dich in diesen Zeilen wieder?
Dann lade ich dich herzlich zu einem unverbindlichen und vertraulichen Erstgespräch in meiner Praxis in München ein. Hier findest du einen geschützten Raum, in dem du deine Sorgen und Probleme offen teilen kannst. Kontaktiere mich gerne per E-Mail oder über das Kontaktformular.
